Gesellschaft


„We don’t submit to terror. We make the terror.“ Szenarien und Erprobung des Ausnahmezustands in Medien der Populärkultur

Der Beitrag untersucht, wie und unter welchen Voraussetzungen in den Medienangeboten der Populärkultur der Ausnahmezustand inszeniert, erprobt und reflektiert – und damit auch etwas antizipiert wird, was in der Politik aus verfassungsrechtlichen Gründen (noch) undenkbar ist. Er geht dabei auch auf das Spannungsverhältnis zwischen fiktionalen Plädoyers für den Ausnahmetzustand und politischen Rhetoriken, die mit dem Ausnahmezustand spielen, ein. Dabei soll deutlich werden, dass die Fiktion mit dem Ausnahmezustand schon längst ernst gemacht hat, wo die Politik den Ausnahmezustand ausschließen muss.

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Jan Böhmermanns Provokationen. Eine Medientheorie der Satire

Dass aus Satire ein politischer Ernstfall wird, ist keine Seltenheit, wie etwa der Streit um die Mohammed-Karikaturen oder der Anschlag aufdie französische Zeitschrift Charlie Hebdo beweisen. Im Fall deraktuellen Debatten über das satirische Werk Jan Böhmermanns undmöglicher rechtlicher Konsequenzen zeigen sich jedoch neue Facetten: Der Kunst- und der Rechtsdiskurs verstricken sich derart, dass eineLösung nur gefunden werden kann, wenn man sich auf einengemeinsames Medienverständnis einigt. Doch wie kann das gelingen?

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Neue Medien in Rocky Beach. Die Reflexion kommunikationstechnischer Innovationen in der Hörspielserie Die drei ???

Vieles hat sich in den letzten 30 Jahren in Rocky Beach, dem fiktiven Handlungsort der Hörspielserie Die drei ???, nicht verändert: Die Protagonisten sind kaum gealtert, der Gebrauchtwarenhandel floriert nach wie vor und der Kleinganove Skinny Norris ist noch immer auf der Jagd nach dem schnellen Geld. Mediale Neuerungen haben allerdings durchaus Eingang in die Welt der drei Detektive gefunden, die inzwischen auch per Tastatur und Handy ermitteln. Interessant erscheint dabei vor allen Dingen der Einführungszeitpunkt: Denn einerseits lebt die Serie von der Beständigkeit ihres Settings; andererseits aber gehen die Die drei ??? seit jeher kreativ mit den gegebenen kommunikationstechnischen Möglichkeiten um.

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Mohammed- Video. Die medienwissenschaftliche Perspektive

Dieser Artikel nimmt Salman Rushdies „Satanische Verse“, dieMohammed-Karikaturen von Kurt Westergaard und insbesondere dasMohammed-Schmäh-Video zum Anlass, aus medienwissenschaftlicherPerspektive darzulegen, dass ein Medienprodukt am allerwenigsten derVerursacher der Reaktionen ist, die es zur Folge hat. Vielmehr sind esvor allem die jeweiligen emotionalen Voraussetzungen auf Seiten derNutzer, die eine bestimmte Reaktion nach sich ziehen.

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Wenn Helden weinen. Zur Ästhetik des männlichen Leidens beim Fußball

Es wurde viel gelaufen, geschwitzt, geflucht und gejubelt bei der Euro 2012. Auf bewegende Momente folgten bewegte Emotionen, zarte Tränen kullerten männliche Wangen herab. Der Mythos vom Fußball als männlichstem Sport bröckelt, Geschlechtergrenzen verwischen wie nie zuvor. Wer die Faszinationskraft dieses Sportes verstehen will, der muss erkennen: Es geht nicht um die harte Schlacht, sondern um die Jagd nach dem großen Gefühl.

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Drogenrazzia im Lustspielhaus! Ein Line-Up wie Koks beim 1. Schwabinger Poetry Slam

Christian Bumeder alias Bumillo hat am Mittwoch vor Ostern acht vielfach ausgezeichnete Poetry-Slammer aus ganz Deutschland versammelt, die im Lustspielhaus um eine Flasche Chivas Regal gegeneinander antraten. Es gewann der Frankfurter Dichterfürst und subversive Souverän Dalibor Marković. Warum, schildert dieser Bericht. Er ist im Schein der Teilnahme geschrieben, da, so die gegen Ende einzuholende Ausgangsthese, erst aus diesem Schein heraus die ästhetischen, epistemologischen und nicht zuletzt ethischen Potenziale der Slam Poetry angemessen verstanden werden können. Wo letztere allerdings eine Form negativer Gesellschaftskritik ist, darf die wissenschaftliche Antwort darauf nicht hermeneutisch bleiben. Erst selbst performativ vermag sie die Bühne der Frage zu erhellen, die sich in der Slam Poetry artikuliert.

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Die mit dem Wulff tanzt. Zur medialen Selbstinszenierung einer kurzzeitigen First Lady

Der Rücktritt des Bundespräsidenten Wulff lenkte einmal mehr den Fokus auf die Frau an seiner Seite. Bettina Wulff war von Anfang an elementarer Bestandteil der medialen Selbstinszenierung ihres Mannes. Dabei schaffte es Frau Wulff zwar in die Boulevardblätter, nicht jedoch in die Herzen der Menschen. Dieser Beitrag geht der Frage nach, warum die First Lady an der Zitathaftigkeit ihrer Rolle scheiterte.

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Das Leben, ein Spiel. Deutschland hat einen neuen Box Slam Meister

Am Samstag, den 28.1.2012, fand in der Münchener Muffathalle in halbweltlicher Atmosphäre die Deutsche Meisterschaft im Box Poetry Slam statt. Zwar schied der dort vertretene Münchener Lokalprominente Bumillo dieses Mal bereits im Halbfinale aus. Aber auch so hat der Slam eine kleine Nachlese verdient. Ich beginne in der U-Bahn, nach einer Slam-Veranstaltung, die etwa zwei Wochen vor dem Box Slam stattgefunden hat. Im Anschluss gebe ich in dekonstruktiver Terminologie einige literaturwissenschaftliche Bestimmungsversuche des Genres Poetry Slam, um diese schließlich anhand einiger medial gestützter Erinnerungen an den Box Slam 2012 zu plausibilisieren. Im Ansatz dekonstruktiv, ist dieser Beitrag in der Durchführung eine Verneigung vor dem besprochenen Genre sowie seinen Autoren und Performern.

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Was man Umberto Eco in einem bayerischen Taxi unbedingt einmal fragen sollte. Dem großen italienischen Ironiker zum 80.

Mit meinem Beitrag möchte ich eine These Umberto Ecos ganz entschieden zurückweisen, die er in einer diesbezüglich einschlägigen kulturtheoretischen Glosse über Taxifahrer geäußert hat. Man erkennt letztere eben nicht allerorten daran, dass sie ‚immer diejenigen sind, die nie herausgeben können‘. Das Gegenteil ist der Fall! Ecos Fehleinschätzung dürfte, und auch das möchte ich mit dem vorliegenden Text zeigen, auf eine allzu restriktive Verwendung des Herausgabe-Begriffs zurückzuführen sein. – Ich beabsichtige mit meinen Ausführungen keineswegs, irgendwelche realen Personen zu verspotten oder ihnen sonst irgendwie zu nahe zu treten, weder bayerischen Staatsbürgern, bayerischen Taxifahrern noch Umberto Eco! Gratulieren möchte ich letzterem allerdings schon, gerade zu seinem 80. Nicht jeder seiner Geburtstage ist schließlich so unendlich rund wie dieser.

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