Kino


Das Paradox des Star Wars-Universums. Gedanken zu Episode VIII – The Last Jedi (2017)

Die Star Wars-Saga gehört zu den wichtigsten Filmserien der Geschichte, wenn es nicht die wichtigste überhaupt ist. Mit einer Fangemeinschaft, die nur noch mit der von Star Trek zu vergleichen ist, überlebt die märchenhafte Geschichte rund um eine Galaxie weit, weit entfernt bereits seit über vierzig Jahren und bereitet auch mit ihrer neuesten Episode VIII wiederum ein galaktisches Spektakel. Aber auch dieser Episode wird vor allem von den Fans das alte Problem vorgeworfen: Es heißt, alles wiederhole sich immer wieder. Aber ist es nicht genau das, was Star Wars ausmacht? Die daran anschließende Frage lautet: Können diese Fans überhaupt befriedigt werden?

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Die Krise eines Furchteinflößenden. Le Redoutable (2017) über Jean-Luc Godard

Michel Hazanavicius Film Le Redoutable über einen kurzen Lebensabschnitt des Filmvisionärs Jean-Luc Godard lief bereits auf den Filmfestspielen von Cannes und war auch Teil des Programms des Münchner Filmfestes 2017. Kritiker, Professionelle wie Laien, zeigten sich jedoch bis jetzt oftmals gespalten in Hinsicht auf das neue Werk des französischen Regisseurs, der die Filmgeschichte bereits im vielgefeierten Stummfilm The Artist oder in den James Bond-Persiflagen um den Agenten OSS 117 behandelt hat. Denn entgegen aller Erwartungen ist der Film keine Hommage, die eine lebende Legende feiert, sondern die komödiantische Darstellung einer künstlerischen, beruflichen und privaten Krise, die den doch so unerreichbaren Regisseur von seinem Podest hebt. Aber ist dies wirklich ein Sakrileg oder vielleicht sogar genau der richtige Weg, sich diesem Provokateur der Filmgeschichte zu nähern?

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Sie haben mich zum Weinen gebracht! Lisa Azuelos Dalida-Film, mit einem Seitenblick auf Olivier Dahans Piaf-Film La vie en rose

Der Film Dalida von Lisa Azuelos, der im Sommer des Jahres 2017 auf dem Münchner Filmfest als deutsches Preview lief und die Geschichte der italienisch-französischen Schlagersängerin Dalida erzählt, kam in der Kritik bisweilen nicht gut weg. Seine Strategie, die Zuschauer emotional anzusprechen, so der Tenor einiger Rezensionen, versagte. Die folgenden Überlegungen wollen zeigen, dass ein solches Urteil wohl eher auf die analytische Betrachtung einzelner Komponenten dieser Strategie zurückzuführen ist; betrachtet man hingegen das Zusammenspiel aller Komponenten dieser Affektsteuerung, die erzählte Geschichte, die Erzählweise und die Funktionalisierung der Musik, so muss man von einer perfekten Strategie sprechen, die kaum ihr Ziel, die Zuschauer emotional anzusprechen, verfehlen wird. Das lässt sich durch einen Seitenblick auf einen ähnlichen, aber doch anders argumentierenden Film – Olivier Dahans La vie en rose über Edith Piaf – zusätzlich erhellen. Der Artikel liefert so einen kleinen Beitrag zur Rezeptions- und Emotionstheorie der Medien am Beispiel von Filmmusik, genauer: am Beispiel von biopics einer Sängerin und Künstlerin in der Gattungsform des fiktionalen Spielfilms auf der Basis einer realen Biographie. Und einen Beitrag zur Frage, wie der Film Musik in Szene setzen kann.

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Der deutsche Weste(r)n. Zu Valeska Grisebachs Western (2017) – unter anderem

Valeska Grisebachs Film WESTERN verweist bereits mit seinem Titel auf ein amerikanisches Genre, das zunächst wenig mit dem deutschen Kino gemein zu haben scheint. Wenn man diesen Titel als Hinweis versteht, diesem nachgeht und einen Rückblick in die Geschichte des deutschen Films macht, dann zeigt sich, dass zwischen amerikanischem und deutschem Western eine Beziehung besteht, die weiter zurückreicht, als man vielleicht vermuten mag. Dabei nutzt der deutsche Film ein amerikanisches Genre, das von Grenzen und dem Weg vom Osten in den Westen erzählt, nicht nur um die eigene innerdeutsche Grenze zu verhandeln, sondern letztlich auch, um den deutschen Film von Deutschland zu entfremden und in der Konsequenz seine „Deutschlandbilder“ neu zu schreiben.

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Gott, Geld und Medien in Atom Egoyans The Sweet Hereafter (1997)

Katastrophenfilme zeigen – im Unterschied zu katastrophalen Filmen – das, wovon sie erzählen, auf spannende Weise, manchmal mit verzögertem happy end (wie in Roland Emmerichs Sintflutdrama 2012 aus dem Jahr 2009), manchmal mit melodramatischem Ende (wenn der Held sich opfert wie Bruce Willis in Michael Bays Apokalypsefilm Armageddon von 1998). Doch was ist mit Filmen, in denen um die Katastrophe herumerzählt wird? Welches Genre bedienen Filme, in denen das Schreckliche so gut wie unsichtbar bleibt? Und muss man das Unglück überhaupt sehen, um es zu begreifen?

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Imaginäre Palimpseste. Beobachtungen und biographische Exkurse zu Batman v Superman

Es ist immer spannend, wenn ein Film es schafft, zu polarisieren. Der mediale ‚fallout‘, der sich im Fahrwasser von Zack Snyders Batman v Superman: Dawn of Justice (2016) über Feuilletons, Kommentarseiten, Blogs und soziale Netzwerke zieht, erscheint aber auf sehr merkwürdige und widersprüchliche Weisen beispiellos. Kritiker bemängeln Snyders inkohärente Erzählweise und sein problematisches Figurenverständnis, zumeist mit Rückgriff auf ungeklärte Begriffe wie ‚Videospiel-‘ oder ‚Videoclip-Ästhetik‘. Dieser Artikel sucht nach Möglichkeiten, stattdessen eine tatsächliche Transformation filmischer Erzählweisen beschreibbar zu machen, indem er die Handlungs- und Figurenlogik von Batman v Superman in einer biographisch geprägten Leseweise mit Entwicklungen im Superheldencomic kurz vor und nach der Jahrtausendwende kontrastiert.

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Die Lorbeeren des Caesar. Was die Philosophie im neuen Film Hail, Caesar! (2016) der Coen-Brüder verloren hat

Film-Philosophie im Film: das ist manchmal so, als ob man in einem dunklen Raum eine schwarze Katze sucht, deren Existenz man sich nicht sicher sein kann. Den Coen-Brüdern gelingt es, solche Denkzettel in ihre Filme zu schmuggeln, ohne dabei das Vergnügen beim Anschauen zu mindern. Und wie das geht: durch ein kapriolenhaftes Erzählen, das den Film selbst zum heiklen Helden macht, der lustig an sich selber leidet. In „Hail, Caesar!“ (2016) kann man das mit großem Genuß am plotless plot, am Genre-Looping und an einem berühmten Echtzeit-Philosophen verfolgen, den es nach Hollywood verschlagen hat.

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