Ertüchtigungsfernsehen
Der folgende Beitrag blickt auf Kochshows, Castingshows oder Tiershows und versucht, hypothetisch einen globalen Wandel in Programmstrukturen des Fernsehens nachzuzeichnen. Wo es früher um die Vorführung von Menschen ging, von denen man sich absetzen konnte, geht es jetzt sehr viel stärker um eine Normvermittlung. Die Norm „Sei leistungsbereit“, der Menschen vor der Kamera nachkommen, verspricht auch den Zuschauern ein besseres Leben. Es gilt, der Frage nachzugehen, wie sich solche Programmstrukturen in die Entwicklung gesellschaftlicher Strukturen einbetten lassen.
Einen herzlichen Dank für die Hinweise an Jessica Trute und Victoria Steiner.
Der Talk bei hart aber fair als falsch echte Debatte. Eine Analyse der Sendung „Flüchtlinge in Deutschland – wie willkommen sind sie wirklich?“ vom 23. Februar 2015
Wie viel Raum bietet die WDR-Talkrunde „hart aber fair“ für echte Debatten, für ergebnisoffene Diskussion? Wie in jeder Talkshow ist die Auswahl der Gäste nicht transparent, beschränken die Spielregeln und Logiken des Rahmens ‚Talkshow‘ und die Fragen des Moderators einen echten Gedankenaustausch. Durch vorproduzierte Beiträge, die im Laufe der Sendung eingespielt werden, ist der Spielraum für Themen und Ergebnisse der Diskussion bei hart aber fair noch kleiner als in reinen Diskussionsrunden. Die Talkshow entspricht somit einer ‚falsch echten Debatte‘ im Sinne Pierre Bourdieus.
will_hartStar Wars dejà vu. Zu Motiv- und Erzählstruktur im neuen Star-Wars-Film The Force awakens / Das Erwachen der Macht und die Enttäuschung des Rezipienten
Weil J. J. Abrams und die Autoren im Spannungsverhältnis zwischen Anknüpfung an die Originalserie und erzählerischer Innovation zu sehr auf die Tradition setzen, kann
Gegenwart vs. Augenblick: Zur Ästhetik von Rainald Goetz anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 2015
Der folgende Essay beschäftigt sich anlässlich der diesjährigen Vergabe des Georg-Büchner-Preises mit der Ästhetik des Preisträgers Rainald Goetz. Dabei soll vor allem das weit verbreitete Missverständnis korrigiert werden, dass es sich bei dem besagten Autor hauptsächlich um einen ‚Chronisten der Gegenwart‘ und damit um eine Art ‚erweiterten Publizisten‘ handelt. Es soll verdeutlicht werden, dass das Werk von Goetz vor allem die Problematik eines adäquaten sprachlichen Umgangs mit dem Phänomen der Gegenwart selbst thematisiert. Der ästhetisch fundierte Terminus des ‚Augenblicks‘ wird dabei als eine Alternative zum vagen Begriff der ‚Gegenwart‘ präsentiert.
Hermann_GoetzDer maschinenähnliche Sonderling und seine Überführung ins Menschliche anhand von The Big Bang Theory und Sherlock
Im Jahre 1966, vor nahezu 50 Jahren, erschien eine Figur auf den Bildschirmen der Fernsehzuschauer, die bis heute ihre Wirkung nicht verloren hat: Die Pop-Ikone Mr. Spock aus
Keine Angst vor dem Weichwerden – Amedeo Polazzos Tonplastiken 2014-2015
Amedeo Polazzo ist jung und macht eine kitschige Kunst. Amedeo Polazzo ist Künstler und macht einen kitschig jung: seine Werke holen das weh- und übermütige, das idiotisch kindische Genießen zurück. Die nachstehenden Zeilen wollen weder Rezension noch eingehende Studie seiner Plastiken sein, sondern begeben sich bloß auf die geistige Spur derselben. Was folgt ist also nur eine buchstäbliche Fußnote zu jenem reflexiven Abdruck, den sie im Hirn des Gegenübers zu hinterlassen im Stande sind.
Thor_Polazzo‚Glitch Art‘ als Dekonstruktion der fotografischen Illusion. Semiotische Fotografie mit Barthes und Peirce
Fotografie und Semiotik begegnen sich oftmals. Doch scheint das Phänomen der fotografischen Abbildungskraft semiotisch nicht eindeutig zu fassen. Charles Sanders Peirce projiziert in eine Fotografie gleichzeitig die Zeichenkategorien Ikon und Index. Roland Barthes spricht von perfekter Analogie und einer Magie, die dem Medium innewohne. Doch kann eine Störung oder ein ‚glitch‘ die Magie brechen? Zumindest zielt ‚Glitch-Art‘ darauf ab, die Rezeptionspraxis von Fotografien zu hinterfragen.
Kriener_GlitchZum Tod des Medienstrategen Günter Grass
Mit Günter Grass ist eine der bedeutendsten Poeten und der mit Sicherheit bekannteste deutsche Autor der Nachkriegszeit gestorben. Doch Grass war bei weitem nicht nur Literat, sondern immer auch Medienstratege. In den gesellschaftspolitischen Debatten, die Grass anregte spielte immer das Kalkül des Skandalpotenzials mit.
Giesen_GrassDer letzte Film aller Zeiten! Christopher Nolans Interstellar – der Film nach dem Film?
Christopher Nolan hat mit
Xavier Dolan und das Ende des Coming-Out Films
Die Filme des frankokanadischen Wunderkindes Xavier Dolan verweisen auf einen Wandel in der filmischen Repräsentation von unkonventionellen sexuellen Identitäten auf solche, die die Coming-out-Matrix durchbrechen und Charaktere schaffen, deren Komplexität weit über die sexuelle Identiät geht. Ein Prozess, den man sogar als Vermenschlichung betiteln könnte.
Knezevic_Dolan