Sämtliche Beiträge | 1997-2024


Ertüchtigungsfernsehen

Der folgende Beitrag blickt auf Kochshows, Castingshows oder Tiershows und versucht, hypothetisch einen globalen Wandel in Programmstrukturen des Fernsehens nachzuzeichnen. Wo es früher um die Vorführung von Menschen ging, von denen man sich absetzen konnte, geht es jetzt sehr viel stärker um eine Normvermittlung. Die Norm „Sei leistungsbereit“, der Menschen vor der Kamera nachkommen, verspricht auch den Zuschauern ein besseres Leben. Es gilt, der Frage nachzugehen, wie sich solche Programmstrukturen in die Entwicklung gesellschaftlicher Strukturen einbetten lassen.
Einen herzlichen Dank für die Hinweise an Jessica Trute und Victoria Steiner.

Jahraus_Fern

Der Talk bei hart aber fair als falsch echte Debatte. Eine Analyse der Sendung „Flüchtlinge in Deutschland – wie willkommen sind sie wirklich?“ vom 23. Februar 2015

Wie viel Raum bietet die WDR-Talkrunde „hart aber fair“ für echte Debatten, für ergebnisoffene Diskussion? Wie in jeder Talkshow ist die Auswahl der Gäste nicht transparent, beschränken die Spielregeln und Logiken des Rahmens ‚Talkshow‘ und die Fragen des Moderators einen echten Gedankenaustausch. Durch vorproduzierte Beiträge, die im Laufe der Sendung eingespielt werden, ist der Spielraum für Themen und Ergebnisse der Diskussion bei hart aber fair noch kleiner als in reinen Diskussionsrunden. Die Talkshow entspricht somit einer ‚falsch echten Debatte‘ im Sinne Pierre Bourdieus.

will_hart

Gegenwart vs. Augenblick: Zur Ästhetik von Rainald Goetz anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 2015

Der folgende Essay beschäftigt sich anlässlich der diesjährigen Vergabe des Georg-Büchner-Preises mit der Ästhetik des Preisträgers Rainald Goetz. Dabei soll vor allem das weit verbreitete Missverständnis korrigiert werden, dass es sich bei dem besagten Autor hauptsächlich um einen ‚Chronisten der Gegenwart‘ und damit um eine Art ‚erweiterten Publizisten‘ handelt. Es soll verdeutlicht werden, dass das Werk von Goetz vor allem die Problematik eines adäquaten sprachlichen Umgangs mit dem Phänomen der Gegenwart selbst thematisiert. Der ästhetisch fundierte Terminus des ‚Augenblicks‘ wird dabei als eine Alternative zum vagen Begriff der ‚Gegenwart‘ präsentiert.

Hermann_Goetz

Der maschinenähnliche Sonderling und seine Überführung ins Menschliche anhand von The Big Bang Theory und Sherlock

Im Jahre 1966, vor nahezu 50 Jahren, erschien eine Figur auf den Bildschirmen der Fernsehzuschauer, die bis heute ihre Wirkung nicht verloren hat: Die Pop-Ikone Mr. Spock aus Star Trek. Die Faszination Spocks erklärt sich vor allem aus seinem inneren Zwist zwischen seiner rationalen vulkanischen und seiner emotionalen menschlichen Seite. Dieser Zwist ist aktueller denn je, denn er lässt sich auch in mehrfacher Ausführung in der heutigen Medienlandschaft wiederfinden, vor allem in der amerikanischen Comedy-Serie The Big Bang Theory (seit 2007) und der BBC-Miniserie Sherlock (seit 2010).

Babin_Sonderlinge

Keine Angst vor dem Weichwerden – Amedeo Polazzos Tonplastiken 2014-2015

Amedeo Polazzo ist jung und macht eine kitschige Kunst. Amedeo Polazzo ist Künstler und macht einen kitschig jung: seine Werke holen das weh- und übermütige, das idiotisch kindische Genießen zurück. Die nachstehenden Zeilen wollen weder Rezension noch eingehende Studie seiner Plastiken sein, sondern begeben sich bloß auf die geistige Spur derselben. Was folgt ist also nur eine buchstäbliche Fußnote zu jenem reflexiven Abdruck, den sie im Hirn des Gegenübers zu hinterlassen im Stande sind.

Thor_Polazzo

‚Glitch Art‘ als Dekonstruktion der fotografischen Illusion. Semiotische Fotografie mit Barthes und Peirce

Fotografie und Semiotik begegnen sich oftmals. Doch scheint das Phänomen der fotografischen Abbildungskraft semiotisch nicht eindeutig zu fassen. Charles Sanders Peirce projiziert in eine Fotografie gleichzeitig die Zeichenkategorien Ikon und Index. Roland Barthes spricht von perfekter Analogie und einer Magie, die dem Medium innewohne. Doch kann eine Störung oder ein ‚glitch‘ die Magie brechen? Zumindest zielt ‚Glitch-Art‘ darauf ab, die Rezeptionspraxis von Fotografien zu hinterfragen.

Kriener_Glitch

Der letzte Film aller Zeiten! Christopher Nolans Interstellar – der Film nach dem Film?

Christopher Nolan hat mit Interstellar den letzten Film aller Zeiten gedreht! – Zumindest behauptet das der Film. Aber ist dieser Versuch auch geglückt? Und wenn Inception der Film aller Filme ist, ist Interstellar dann sogar der Film nach dem Film? Diesen Fragen soll im folgenden Text nachgegangen werden. Zunächst wird Interstellar dafür im Kontext von Nolans bisherigen Oeuvre verortet. Anschließend wird die Frage gestellt, was es mit der doch eigenartigen Verschaltung unterschiedlicher Medien am Schluss des Films auf sich hat. Damit soll die weiterführende Perspektive auf solche Filme eröffnet werden, die den Versuch machen, über sich selbst hinauszugelangen.

Eberle_Interstellar

Xavier Dolan und das Ende des Coming-Out Films

Die Filme des frankokanadischen Wunderkindes Xavier Dolan verweisen auf einen Wandel in der filmischen Repräsentation von unkonventionellen sexuellen Identitäten auf solche, die die Coming-out-Matrix durchbrechen und Charaktere schaffen, deren Komplexität weit über die sexuelle Identiät geht. Ein Prozess, den man sogar als Vermenschlichung betiteln könnte.

Knezevic_Dolan