Buch


Die Katastrophe im Roman – Überlegungen zur schwierigen Fiktionalität des 11. September 2001

Die Verarbeitung des 11. September 2001 in der (Roman-)Literatur hat angesichts der zahlreichen Romane und Short Stories zu diesem Thema unverkennbar begonnen. Doch die erzählerische Darstellung der Attentate des 11. September 2001 bleibt aufgrund der außerordentlichen Dimension der Ereignisse problematisch. Genauer in den Blick genommen werden die Romane Windows on the World (Frédéric Beigbeder), Bryant Park (Ulrich Peltzer) sowie die Augenzeugenberichte Stories from 56th Broad Street und Really Ground Zero (Kathrin Röggla).

Örkény Istváns Egyperces Novellák oder: Die Moral der Kürze. Versuch einer Annäherung

Örkény István zählt zu den herausragenden ungarischen Autoren der Moderne. Ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod ist er im Ausland nahezu unbekannt. Das ist bedauerlich, denn Örkény ist Wittgensteins Bruder im Geiste. Beide treten ein für die Moral der Kürze. Wir gehen Örkénys Eigenart nach – und seiner Bindung an die ungarische Kultur. Unser Augenmerk gilt den Egyperces Novellák (Minutennovellen).

„Renaissance des Erzählens”? – Eine Fußnote zur Gegenwartsliteratur mit Blick auf John Barth

Zu den einflussreichsten Wortmeldungen zeitgenössischer Literaturtheorie zählen zwei ‚klassisch’ zu nennende Essais aus der Feder John Barths: The Literature of Exhaustion (1967) und The Literature of Replenishment (1979). Wenn die neue ‚Lust’ an (konventionellen) erzählenden Formen dingfest gemacht werden soll, werden sie häufig zitiert. Darüber hinaus reklamiert man sie für den ‚Postmoderne’-Diskurs. Beide Lesarten gehen in die Irre: Die erste, weil Barth keineswegs für eine Kunst des Romans nach Art des 19. Jahrhunderts eintritt, die zweite, weil seine Essais wenig geeignet erscheinen, der sog. ‚Postmoderne’ Kontur zu verleihen.

Der Leser als Wanderer – W.G. Sebald, Die Ringe des Saturn. Eine englische Wallfahrt

Im Folgenden soll das Werk „Die Ringe des Saturn“, wie schon der Untertitel „Eine englische Wallfahrt“ nahelegt, als ein Reise- oder Pilgerbericht untersucht werden, der die Welt, in diesem Fall die ostenglische Küste, „von vornherein […] im Hinblick auf das eigene Ende“ durchschreitet. Es soll nachgewiesen werden, dass diese Reise nicht nur als Motiv an der Oberfläche des Textes eine Rolle spielt, sondern vielmehr geradezu zu seinem genuinen Strukturprinzip wird.

Paul Celans Todesfuge: Das Unaussprechliche ausgesprochen. Eine Vertonung der Todesfuge

In seinen Gedichten spricht Paul Celan das Unaussprechliche aus. Er thematisiert in seinem Werk den Holocaust und versucht so das Geschehene zu verarbeiten. Dieses „Aussprechen des Unaussprechlichen“ habe ich zum Anlass genommen, das Gedicht „Todesfuge“ zu vertonen. Diese akustische Interpretation stellt sich dabei strikt gegen Theodor W. Adornos umstrittenes Diktum, nach Auschwitz könne kein Gedicht mehr geschrieben werden. Denn gerade durch ein Gedicht wie „Todesfuge“ kann der Schrecken von Auschwitz auf angemessene Weise beschrieben und durch seine Vertonung auch ausgesprochen werden.

Der Nobelpreis für Elfriede Jelinek – nicht nur eine indirekte Genugtuung an Thomas Bernhard… (Eine Ergänzung zu Oliver Jahraus’ Gratulation)

Der Nobelpreis für Elfriede Jelinek schafft Aufmerksamkeit nicht nur für die Autorin, sondern auch für die österreichische Literatur, zum Beispiel auch für Thomas Bernhard. Und dennoch werden dabei andere Autoren nach wie vor übersehen, deren Potenzial nicht weniger bemerkenswert ist als davon Jelinek und Bernhard, zum Beispiel Werner Schwab.

Elfriede Jelinek hat den Literaturnobelpreis bekommen – zu Recht!

Der Nobelpreis ist immer ein Politikum. Jedes Jahr auf Neue wird auch spekuliert, welche Gründe jenseits des Werkes des ausgezeichneten Autors noch eine Rolle gespielt haben mögen: Geschlecht, Hautfarbe, Herkunftsland, Kontinent, nicht-literarische Aktivitäten oder was man sonst noch so anführen mag. Man darf solche literaturfernen Gründe für einen Literaturnobelpreis nicht grundsätzlich kritisieren. Wären sie nicht im Spiel, wäre es schwieriger, gegenüber dem dominanten westlichen mainstream die Literaturen aus eher peripheren Kulturkreisen überhaupt hervorzuheben. Und insofern hat der Literaturpreis auch die Funktion, die Aufmerksamkeit der literarischen Weltöffentlichkeit zu lenken.

Über das Eingehen ins Paradies bei Heinrich von Kleist auf neurophysiologischer Grundlage

Mit dem Blick eines Mediziners und eines Neurologen werden in diesem Aufsatz verschiedene Motiven der Literatur bei Kleist oder Thomas Mann, die die Bewegung von Figuren und die Steuerung dieser Bewegung betreffen, beleuchtet. Die neurologische Erklärung bestimmter motorischer Verhaltensmuster literarischer Figuren zeigt, wie genau bisweilen Literaten menschliches Verhalten beobachtet haben und wie sie im körperlichen Ausdruck psychische, aber auch soziale Voraussetzungen dieser Figuren beobachtbar gemacht haben.

Mediale Lebenssteigerungen – das Werther-Syndrom. Anmerkungen zu Bernd Scheffers „Medien als Passion“

Die Frage, warum Menschen seit jeher hinter den Medien her seien, verbindet sich analog betrachtet mit der medialen Bedeutung einer literarischen Figur, die nicht ohne Wirkung auf das Geistesleben ihrer Zeit und auch unserer Zeit geblieben ist – und dies nicht nur in der Hinsicht, dass der Erfolgsroman, in dem diese Figur in Erscheinung tritt, eine umstrittene „Flut“ der Selbstmordintentionen auslöste.

“… durchs Lieferantentürli in die Paläste der Literatur” – Robert Walser und der Erfolg

Der Schweizer Schriftsteller Robert Walser gilt jedenfalls bei Experten längst als Klassiker der Moderne. Seine Erfolglosigkeit zu Lebzeiten wird bis heute allerdings als Zeichen von Qualität gewertet. Dürfen wir uns – wieder einmal- genussvoll an einem Dichter schadlos halten, der vielleicht doch zu viel für das Schreiben seiner eigenen Texte geopfert hat?