Buch


Electronic Publishing: Dimensionen und Konsequenzen eines Begriffs

Der neumediale Zug fährt seit geraumer Zeit. Es ist ein Hochgeschwindigkeitszug – sagen manche. Und was geschieht mit dem Buch, Inbegriff linearer Standhaftigkeit? Die Produzenten des Buchs sind unsicher. Sie verharren zum Teil, sich gegenseitig aufmunternd und jene sinnlich-realen Vorzüge des alten Materialobjekts hervorhebend, die heute und künftig das Buch mit Einband und dem Duft der Druckerschwärze unersetzbar machten. Aber, sie wollen auch nichts verpassen, fahren mit und geben gar bisweilen die Richtung vor. Das Potenzial der Digitalisierung scheint gewaltig. In vieler Munde ist dabei der Begriff Electronic Publishing. Er, nicht anders die deutsche Übertragung “Elektronisches Publizieren”, hat das Problem, relativ unterschiedliche Phänomene zu bezeichnen, die zwar aus buchtheoretischer Sicht durchaus gemeinsame Bezugspunkte haben, zunächst aber, und vollends in der Praxis, zu differenzieren sind.
Der Text untersucht Formen des electronic publishing und die Konsequenzen für das Buch und den Buchmarkt. Er kommt zu dem prognostischen Ergebnis, dass diese Publikationsform das Buch keineswegs verdrängen wird, sondern vielmehr sein Überleben sichert.

Es gibt im Weltraum keinen Tee

“Per Anhalter durch die Galaxis” – durch diese letztlich auf sechs Bände angewachsene Science Fiction-Trilogie ist der im Mai 2001 verstorbene Douglas Adams zum Kultautor avanciert. Hierzulande etwas weniger bekannt ist, dass die Geschichte um Arthur Dent und Ford Prefect im britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ihren Anfang nahm und schon sehr früh in allen Medien (Radio, Fernsehen, Schallplatte, Computerspiel, der Film ist seit Jahren geplant) vertreten war. Neben dem schwarzen Humor und absonderlichen Gestalten sind Adams’ Werke teilweise auch überraschend weitsichtige Technikvisionen. In Kalifornien, wo sich Adams kurz vor seinem Tod niedergelassen hat, kreisten seine Gedanken zuletzt darum, wie im Internet das demokratische Ideal der griechischen polis wieder aufleben könnte.

Schreiben zwischen sinnlicher Sprachlust und sprachtheoretischem Interesse

Die aus Japan stammende, in Deutschland lebende Schriftstellerin Yoko Tawada verwandelt die sprachliche und kulturelle Differenz zwischen Herkunftsland und Schreibort in eine Reflexion über Sprache und die Voraussetzungen und Bedingungen von Sprechen und Verstehen. Für sie ist Sprache weniger in ihrer Funktion als Kommunikationsmedium von Interesse, sondern sie rückt vielmehr die Erfahrung des Scheiterns von Kommunikation, der Irritation der Wahrnehmung in den Vordergrund. So illustrieren Tawadas ethnologisch-literarische Miniaturen eher die unhintergehbare Notwendigkeit, Bedeutung zuzuschreiben, als die geglückte Entzifferung von Welt-Zeichen.

Literatur im Internet bringt Schrift und Bild in Bewegung

Sie ist nicht tot. Das Internet, der Videorecorder, die Computerspiele – sie alle konnten ihre Regentschaft nicht beenden. Die düsteren Visionen vom Sturz der Königin der Worte haben sich nicht bewahrheitet. Die Literatur lebt. Nicht immer ganz so festlich, wie es einige gerne hätten. Nicht immer ganz so gut, wie man es den Lesern wünscht. Aber die Literatur ist in Bewegung. Und wie eine gute Regentin hat sie sich neue Berater gesucht: dank Internet bindet sie wie selbstverständlich Filmelemente in ihre Arbeit ein. Auch der Umgang mit Tönen ist der altehrwürdigen Literatur nicht mehr fremd. Dank Hypertext erfindet sie sich neu. Die Literatur ist in Bewegung.

Literatur, Lebenshilfe, Laptop – eine didaktische Observation

Das Jahr 1999 bietet Anlass für eine ironische Observation, in der das Literaturdidaktische zugleich Perspektive und Gegenstand ist. Der Blick richtet sich auf die Literaturwissenschaft sowie auf das Verhältnis von Literaturdidaktik und Literaturunterricht. Die “empirische” Basis sind Kurzprotokolle von Unterrichtsstunden aus 50 Jahren über ein Hauptwerk der Nachkriegslyrik. Es erweist sich, dass die Literaturwissenschaft in ihrem Kampf um Gegenstand und Diskurshoheit von der Didaktik lernen könnte und dass die praktische Folgenlosigkeit literaturdidaktischer Theorie ein Mythos ist. Am Ende ein Ausblick auf die Zukunft von Literaturunterricht, -wissenschaft und -didaktik unter den Bedingungen totaler Medialität.

Vom Buch zum Internet? Über die Auswirkungen von Hypertext auf Text und Literatur

Das Internet verändert die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereiche. Der vorliegende Artikel betrachtet die Auswirkungen, die sich durch Internet und Hypertext für Text und Literatur ergeben. Die neue Form der Netzliteratur mit ihren Eigenschaften Nichtlinearität, Links und Hypermedia werden erörtert und die daraus resultierenden jeweils neuen Rollen von Autor und Leser thematisiert.

Kafkas “stehender Sturmlauf” im Spannungsfeld zur Wunschvorstellung der Transgression

Der Vorschlag, auf welche Weise sich den Erzählungen Kafkas zu nähern sei, lautet hier, den literarischen Text als Kunstwerk anzusehen, das eine “Übersetzung” einer subjektiv empfundenen Wirklichkeit bedeutet. Grundannahme ist, daß textuell verschiedene, konträre Weltbilder versinnbildlichende Räume aufgerufen werden, die über bestimmte topologische, mit semantischen Gegensätzen korrelierende Oppositionen verfügen. Vor diesem Hintergrund wird das räumliche Modell zum organisierenden Element der Erzählung.

Hyperfiction – Belletristik am Bildschirm?

Der Artikel stellt die veränderten medialen Bedingungen dar, unter denen literarisch-bellestrische Texte als hypertexte, z.B. im Internet, erzeugt und gestaltet und am Bildschirm rezipiert werden können. Im Blickpunkt stehen dabei Fiktionalität und die Möglichkeiten, interaktiv mit Hyperfictions umzugehen und durch die Auswahl eigener Verknüpfungen individuell spezifische Rezeptionswege zu gehen.

Franz Kafka ans Telephon! Warum die Literatur zu den neuen Medien gehört und ihr vor der Zukunft nicht bange sein muß

Die neuen Medien sind mit alten Medien vielfältig verbunden. Die „Lesbarkeit der Welt” war immer schon „multimedial”: Nicht nur der Blick auf Gegenwart und Zukunft, auch die historiographische Analyse zeigt nicht nur die Alphabet-Schrift, vielmehr entdeckt sie dominant Bilder und Töne, auch sprechende oder zu lesende Körper, und das heißt hier eben weit mehr als nur „sprechen” und „lesen” im engeren Sinne.