Sämtliche Beiträge | 1997-2024


Fake It Till You Make It? Künstlichkeit, Konstruktion und Realness in Paris Is Burning

Jennie Livingstons Dokumentarfilm Paris is Burning von 1990 ist seit knapp 30 Jahren ein fester Bezugspunkt der Gender und Queer Studies wie der Filmwissenschaft. Noch immer erweist er sich als produktiv für die Diskussion über Konstruktion und Artifizialität, denn er bringt als Dokumentarfilm über die Drag-Szene im New York der 1980er Jahre sowohl Aspekte der Geschlechterkonstruktion als auch Fragen zur Konstruiertheit bzw. Authentizität des Dokumentarfilms zusammen. Während Paris is Burning die Konstruiertheit von Geschlechter- und Klassennormen thematisch vor Augen führt, scheint im Zusammenspiel von Inhalt und Form allerdings insofern ein Widerspruch eingelagert zu sein, als letztere hegemoniale Normen unkritisch zu übernehmen scheint.

20200412laabs

Raumschiffschuh und Leoprint: politische Dimensionen und Funktion einer Hyperaffirmation der Fälschungen in der Mode

Winter 2018/2019: Auf den Straßen der Metropolen bewegen wir uns modisch zwischen Leopardenherde und Mondexpedition. Im Trend liegen jedoch nicht echte Pelze und echtes Metall, sondern deren exzessiv verfehlte Imitationen. In der folgenden Analyse untersuchen wir Fakefelljacke und Spacesneaker historisch und systematisch in ihrer politischen Dimension. Welche Funktion erfüllt deren gegenwärtiger, hyperaffir- mativer Umgang mit der Fälschung? Wir erforschen, wie die Modefälschung ihr reflexives und subversives Potenzial aktiviert, wenn sie tradierte Motive der Macht vom antiken Orient bis zum Kalten Krieg sowie der Geschlechterkonventionen und der Entgegensetzung von Orient und Okzident ästhetisch verhandelt.

20200412hader

Fake News spielend enttarnen? Aktuelle Ansätze der Gaming-Industrie

Der Kampf gegen Fake News gleicht dem endlosen Kampf gegen die Hydra: Kaum ist ein Kopf abgeschlagen, wachsen zwei neue nach. Nachrichtenportale, Rundfunkanstalten und private Organisationen haben es sich daher zum Ziel gesetzt, ihre Leser- und Hörerschaft für gefakte Informationen zu sensibilisieren. Das ist sehr sinnvoll, aber oft auch äußerst trocken und belehrend. Einen anderen Ansatz verfolgt das Serious Game Bad News: Es versetzt den Spielenden in die Rolle eines Fake News-Tycoons und bringt ihm so die Strategien echter Fake-News-Schaffenden näher. Der vorliegende Artikel soll aufzeigen, welche Möglichkeiten und welche Limitierungen der Gebrauch von Serious Games im Kampf gegen Fake News bietet.

20200412becker

„Schwedische Wissenschaftler haben herausgefunden…“ – Fake Science als Symptom eines Paradigmenwechsels in der Wissenschaft?

Fake Science wird zunehmend zu einem Problem für die Wissenschaft. Raubverlage sind ein Symptom. Der wachsende Einfluss der Wirtschaft auf wissenschaftliche Forschung führte zu Fake Science und droht das System nachhaltig zu destabilisieren. Um die aktuellen Entwicklungen besser zu verstehen, sollen in diesem Beitrag vor allem die durch Digitalisierung und Ökonomisierung bedingten Hintergründe der Entstehung von Fake Science aufgeschlüsselt werden.

20200411rolinski

Belebte Fakes – Architekturnachbildungen in China

In China werden immer wieder westliche Städte und Denkmäler nachgebaut, doch sie sind mehr als nur ein weiteres Beispiel für Chinas Kopierfertigkeiten. Vielmehr entpuppen sich die Städte als Erlebnisse, in denen der Fake im Prozess des Medienwerdens nach Josef Vogl nachvollzogen werden kann. Die Fake-Orte sind keine Zeugen einer Verwestlichung Chinas, sondern generativ.

20200411münster

„Die Kunst der Fälschung“ Wenn es der Experte verifiziert… Echter Fake in der bildenden Kunst. Besitzt ein gefälschtes Kunstwerk eine Aura?

Kunstfälschungen sind so alt wie die Kunst selbst, Kunstfälscher betrogen bereits in der Antike ihre Kunden. Doch ab wann spricht man von einer Fälschung? Und wann von einem Fake? Am Beispiel des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi und seinem Millionenclou soll untersucht werden, inwiefern Totalfälschungen nach der Definition von Walter Benjamin eine Aura besitzen.

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Fake statt Fakt – wie Fake News uns beeinflussen

Der Begriff Fake News ist in aller Munde, spätestens seit dem US-Wahlkampf 2016. Fake News werden medial diskutiert, aufgedeckt, revidiert und als Gefahr für unsere Demokratie angeprangert. Dabei handelt es sich um kein neues Phänomen. Wieso erst jetzt der Diskurs? Was macht falsche Nachrichten zu Fake News? Können sie wirklich die Meinung beeinflussen? Und haben sie womöglich auch eine positive Seite?

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Erinnerung und Wahrheit im Bild. Medienobservationen in Florian Henckel von Donnersmarcks Werk ohne Autor (2018)

Die deutsche Filmkritik hat Florian Henckel von Donnersmarcks Werk ohne Autor (2018) – anders als die amerikanische – als unzulängliches Biopic über die Künstlerkarriere von Gerhard Richter abgestempelt. Das aber ist nur die eine Seite des Films. Auf der anderen Seite lässt sich eine filmische fiction of memory beobachten. Der Film hat einen pädagogischen Impetus, der seinem englischen Titel „Never Look Away“ folgt, und darüber hinaus eine interessante erinnerungsdrama-turgische Dimension. Diese besteht darin, dass die Fakten einer komplexen, in die Euthanasie-Phase des Nationalsozialismus zurückreichenden und erst 2005 publik gewordenen Täter-Opfer-Konstellation im Familiengedächtnis zu einer eigenen Geschichte mit dem Anspruch auf eine „innere Wahrheit“ verdichtet werden. Der Beitrag untersucht die narrativen Elemente und medientheoretischen Implikationen der Erinnerungsarbeit, die der Film mit Bildern und in Bildern leistet. Werk ohne Autor ist vielleicht der erste Film, der die Geschichte konsequent von der Autorität des Künstlers entkoppelt und das, was wir über sie wissen können und wissen sollen, konsequent dem Kunstwerk überantwortet. Auf diese Weise scheint das postmemoriale Kunstwerk im Zeitalter seiner medialen Reproduzierbarkeit auf seine Autonomie als Erinnerungszeugnis zu pochen, weil es im besonderen Fall (hier: durch die fotosurrealistische Unschärferelation der Gemälde) mehr weiß als der Künstler selbst.

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SUCKCESS und différance – Verschriftlichung in den 1960er-Jahren (Dylan, Derrida)

Der Beitrag setzt sich zum Ziel, zwei unterschiedliche Umbrüche zusammenzu-denken: Mit Subterranean Homesick Blues bricht Bob Dylan 1965 einerseits demonstrativ mit der Folkmusik, während sich mit dem Einsatz von Schrift in der filmischen Umsetzung in Dont Look Back zugleich Bezüge zu Jacques Derridas zeitgleichen Überlegungen in der Grammatologie ergeben. Wie eine gemeinsame Lektüre von Dylan und Derrida zeigt, leiten beide aus dem Verhältnis von Schrift und Stimme die Destabilisierung eines festen und eindeutigen Sinns ab, an deren Ende eine neue Ausrichtung auf den Signifikanten steht. Diese Bewegung bleibt nicht auf diese beiden Akteure beschränkt, sondern ist prägend für theoretische Positionen und künstlerische Praktiken der 1960er-Jahre, programmatisch etwa bei Andy Warhol.

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