Jahresarchiv | 2013


Das entrechtete Subjekt: Thomas Vinterbergs Die Jagd (2012) und die Pathologien (s)eines ‘Dorffilms’

Der Film Die Jagd thematisiert anhand eines fälschlich der Pädophilie verdächtigten Kindergärtners sowohl die restriktiven Abwehrmechanismen einer Dorfgemeinschaft als auch die Irrationalität der Beteiligten im Umgang mit einem unbestätigten Verdachtsmoment. Dieser Beitrag diskutiert diese Thematik im Kontext der Semantik des ,Dorffilms‘, der sich als Genre der Verhandlung gesellschaftlicher Konstitutions- und Stabilisationsprozesse zwischen sozialer Inklusion und Exklusion beschreiben lässt. Das Skandalon Pädophilie fungiert als soziales Ausschlusskriterium, das selbst durch staatliche Institutionen oder einen vordergründig christlich motivierten Akt der Vergebung nicht final überwunden werden kann. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob Vinterbergs Film, wie von der Kritik gelobt, tatsächlich als realistische Auseinandersetzung mit der Thematik der Pädophilie gelten kann?

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Die Vermessung der Game Studies: Hybride, Kanon, Spiel(er). Rezension zur Einführung Theorien des Computerspiels der GamesCoop.

Der Beitrag stellt die 2012 im Rahmen der Junius-Reihe veröffentlichte Einführung Theorien des Computerspiels vor. Dabei ist vor allem zu würdigen, dass es sich bei diesem Sammelband um die bis dato profundeste und medienwissenschaftlich ausdifferenzierteste Einführung in das Forschungsfeld der Game Studies im deutschsprachigen Raum handelt.

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Girls deconstructed, Part I: Harmony Korines Spring Breakers (2012)

Harmony Korine schickt mit Spring Breakers eine Armada von Baby Pop Guerillas in ein orgiastisches, von magisch-beschwörenden Refrains umzüngeltes Farbgewitter und macht es seinem Publikum weder leicht in seiner Interpretation von Godards Diktum ,Alles, was es für einen Film braucht, ist ein Revolver und ein Mädchen‘ widerstandslos aufzugehen noch diese als oberflächlich abzutun. Denn die Oberfläche wird zur Herberge ihrer eigenen Dekonstruktion, indem sie Plot und Dramaturgie an die schwellenden Ränder eines kreisenden, schweifenden und oszillierenden Remix verbannt.

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Wahrheit statt Wirklichkeit – Quentin Tarantinos großartiger Film Django Unchained als inoffizielle Fortsetzung von Inglorious Basterds

Quentin Tarantino inszeniert historische Wahrheit statt historischer Wirklichkeit; und deswegen zielen sämtliche feuilletonistische Debatten um die vermeintlich nicht sauber recherchierten historischen Details oder die Frage, wie oft wer zu wem in welchem Kontext wann „Nigger” sagt, meilenweit an der Großartigkeit dieses Films vorbei, der weder Genre- noch Historienfilm, weder Arthouse noch Mainstream, weder postmodern noch klassisch, sondern alles irgendwie auf einmal ist: Django Unchained wird in Tarantinos gewaltvoller filmischer Interpretation zu einem Brecht’schen Epos, das Vergangenheit nicht be-, sondern überwältigt; und in seiner politisch unkorrekten Umschrift des Rassismus-Diskurses subversive politische Qualität entfaltet.

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Foto von Bernd Scheffer: Montage Domburg

Anmerkungen zu einer Fotografie von Bernd Scheffer

Bernd Scheffer beschreibt eine Serie seiner Fotografien mit dem Begriff „Strukturen“. Anlass, die Strukturen als ästhetische Phänomene zu betrachten, und sie über diese Art der Betrachtung mit den „fraktalen Landschaften“ zu vergleichen, die der amerikanische Physiker Bill Hirst fotografiert hat.. Dessen Bilder hat der Erfinder der fraktalen Geometrie Benoit Mandelbrot kommentiert. Nimmt man Anmerkungen zur Ästhetik von Gregory Bateson hinzu, so ergeben sich Ansätze zu einer Theorie der Fotografien von Bernd Scheffer. Über Manipulationen seiner Bilder am Computer lassen sich Varianten erzeugen, die im Rahmen der zugrunde gelegten Theorie gemeinsame ästhetische Muster erkennen lassen.

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Foto von Bernd Scheffer: Holz

Medienfaszination in Fotografie, Lehre und Forschung Bernd Scheffers

Der vorliegende Beitrag untersucht theoretische und ästhetische Interferenzen zwischen Fotografien, Lehre und Forschung von Bernd Scheffer. Der Fokus liegt besonders auf der konstruktivistischen, beobachterorientierten Rezeptionstheorie Bernd Scheffers, die sich für die drei Autoren auch als Schlüssel für die Interpretation seines künstlerischen Werks erweist. Zuletzt werden die theoretischen Überlegungen an einer empirischen Befragung zur Fotografie Holz belegt.

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