Heckfenster


„Ich biete Ihnen meine Arbeit Ihres Hörens an.“ – Oskar Pastior ist tot.

Oskar Pastior lebte in der Sprache mit der Sprache & dies so, dass es außerhalb seiner Texte und seiner Sprache nichts gab, das nicht immer schon innerhalb seiner Texte & seiner Sprache gewesen sein wird. Er schrieb einmal, dass die Welt sich zu den Texten nachliefert. Indem geschrieben, geredet & gehört wird, entsteht im Nachhall, gleichsam als Nachleuchteeffekt die Welt. Eine radikal antimimetische Ästhetik ist das. Und mimetische Literaturkonzepte, auch das sagte Pastior explizit, sind ihm zuwider.

Derrida – ein Nachruf

Hätte Jacques Derrida zu seinen Lebzeiten noch seinen eigenen Nachruf geschrieben, sicherlich hätte er zuerst die Frage gestellt, was denn wohl Nachruf überhaupt bedeute. Denn dieses Nach drückt ja wohl in seiner Linie ein Zuspät aus, das angesichts des Todes überhaupt erst seine Berechtigung und im selben Maße auch seine Unzuständigkeit gewinnt, so als ob man eine unhintergehbare Differenz machen müsste zwischen der Art, wie man vor, und der Art, wie man nach dem Tod spricht bzw. schreibt.

Über Derrida(s Tod). Persönlich Unpersönliches

Die Verstörung hält an. Darüber, dass mit Derrida ein exzeptioneller Denker der abendländischen Philosophiegeschichte gestorben ist, darüber, dass mit ihm ein Schriftsteller gestorben ist, dessen Texte und Denkfiguren einem ans Herz gewachsen sind, und Verstörung darüber, dass man nicht weiß, ob es eine besondere Ehre bedeuten soll, sich zum Zeitpunkt seines Todes, völlig zufällig, in derselben Stadt aufzuhalten. Ist man hier in Paris Derrida(s Tod) näher als anderswo?

Nachruf auf Niklas Luhmann

Der Tod von Niklas Luhmann dient als Anlaß, die eigene Betroffenheit und die Entwicklung der Systemtheorie spannungsreich aufeinander zu beziehen. Das Werk dieses exzeptionellen Denkers des 20. Jahrhunderts erlaubt nicht nur einen Rückblick auf radikale Tendenzen der Theorieentwicklung wie z.B. die Autoreflexivierung der Theorie selbst, sondern eröffnet auch prognostische Ausblicke auf die weitere Entwicklung einer scientific community unter systemtheoretischen Vorzeichen für das 21. Jahrhundert.

Die Prinzessin, der Tod und die Medien

Die Medienereignisse im unmittelbaren Anschluß an den Tod und das Begräbnis der britischen Prinzessin Diana werden benutzt, um daran zwar spontan formulierte, aber medientheoretisch relevante Beobachtungen anzuschließen. Auch wenn es sich insgesamt um das größte Medienereignis der Geschichte handelt, so gilt der Blick doch dem, was für Medienereignisse prinzipiell exemplarisch ist, nämlich die Erzeugung einer Medienwirklichkeit mitsamt ihren Rezeptionsbedingungen.

Schöne neue Medienwelt. Das Rover-Debakel von BMW als Lehrstück fehlgeleiteter und manipulativer Kommunikation

Das angebliche Rover-Debakel von BMW ist in der Tat ein Lehrstück, nur anders, als allgemein angenommen wird. Es handelt sich eigentlich um ein BMW-Debakel, Rover spielt nur die Rolle der Marionette, die man nicht gut genug steuern konnte, ständig verhedderten sich die Fäden. Schuld daran ist aber nicht die Marionette. Beinahe hätte BMW ohne Not eine Traditionsmarke beerdigt.

Gutenberg und die Spinnwebe

Literatur und Computer – dieser Themenkreis soll hier angedacht werden. Ausgangsbasis sollen Überlegungen sein, inwiefern sich elektronische Schriftlichkeit von der papiernen unterscheidet. Im Anschluß daran werden zwei ältere Literaturprojekte im Internet vorgestellt. Der zweite Schwerpunkt sollen Adventures darstellen, vor allem natürlich Textadventures der frühen 80er Jahre, beispielsweise der Firma Infocom.

Emergentes Erzählen. Der Bildschirmschoner “Johnny Castaway”

“The world’s first story-telling, screen saver cartoon” (Eigendarstellung des Herstellers) kann beispielhaft für emergente, zufallsgesteuerte Formen des Erzählens betrachtet werden, wie sie im Umkreis der ‘neuen Medien’ auftauchen und sich von den einst zur ‘Subkultur’ gerechneten kurzen und kürzesten Erzählgattungen wie Witzen und Comics unterscheiden. Diese Formen sind zugleich Schlüsselbeispiele für eine ‘konstruktivistische’ Literaturtheorie. Zu fragen wäre nach der Entstehung von ‘Handlungen’ und Sinn aus stark reduzierten, scheinbar zusammenhanglosen Elementen.

Wozu Kultur? Ein Plädoyer

Die Politik der Bayerischen Staatsregierung, die Universitäten immer stärker mit der Wirtschaft zu vernetzen, führt zu einer (ganz bewußten?) Vernachlässigung der Geisteswissenschaften. Unser Autor fragt sich in seiner Polemik, welches Verständnis von Kultur derzeit im deutschsprachigen Raum überhaupt herrscht.