Sämtliche Beiträge | 1997-2020


Raumschiffschuh und Leoprint: politische Dimensionen und Funktion einer Hyperaffirmation der Fälschungen in der Mode

Winter 2018/2019: Auf den Straßen der Metropolen bewegen wir uns modisch zwischen Leopardenherde und Mondexpedition. Im Trend liegen jedoch nicht echte Pelze und echtes Metall, sondern deren exzessiv verfehlte Imitationen. In der folgenden Analyse untersuchen wir Fakefelljacke und Spacesneaker historisch und systematisch in ihrer politischen Dimension. Welche Funktion erfüllt deren gegenwärtiger, hyperaffir- mativer Umgang mit der Fälschung? Wir erforschen, wie die Modefälschung ihr reflexives und subversives Potenzial aktiviert, wenn sie tradierte Motive der Macht vom antiken Orient bis zum Kalten Krieg sowie der Geschlechterkonventionen und der Entgegensetzung von Orient und Okzident ästhetisch verhandelt.

20200412hader

Fake News spielend enttarnen? Aktuelle Ansätze der Gaming-Industrie

Der Kampf gegen Fake News gleicht dem endlosen Kampf gegen die Hydra: Kaum ist ein Kopf abgeschlagen, wachsen zwei neue nach. Nachrichtenportale, Rundfunkanstalten und private Organisationen haben es sich daher zum Ziel gesetzt, ihre Leser- und Hörerschaft für gefakte Informationen zu sensibilisieren. Das ist sehr sinnvoll, aber oft auch äußerst trocken und belehrend. Einen anderen Ansatz verfolgt das Serious Game Bad News: Es versetzt den Spielenden in die Rolle eines Fake News-Tycoons und bringt ihm so die Strategien echter Fake-News-Schaffenden näher. Der vorliegende Artikel soll aufzeigen, welche Möglichkeiten und welche Limitierungen der Gebrauch von Serious Games im Kampf gegen Fake News bietet.

20200412becker

„Schwedische Wissenschaftler haben herausgefunden…“ – Fake Science als Symptom eines Paradigmenwechsels in der Wissenschaft?

Fake Science wird zunehmend zu einem Problem für die Wissenschaft. Raubverlage sind ein Symptom. Der wachsende Einfluss der Wirtschaft auf wissenschaftliche Forschung führte zu Fake Science und droht das System nachhaltig zu destabilisieren. Um die aktuellen Entwicklungen besser zu verstehen, sollen in diesem Beitrag vor allem die durch Digitalisierung und Ökonomisierung bedingten Hintergründe der Entstehung von Fake Science aufgeschlüsselt werden.

20200411rolinski

Belebte Fakes – Architekturnachbildungen in China

In China werden immer wieder westliche Städte und Denkmäler nachgebaut, doch sie sind mehr als nur ein weiteres Beispiel für Chinas Kopierfertigkeiten. Vielmehr entpuppen sich die Städte als Erlebnisse, in denen der Fake im Prozess des Medienwerdens nach Josef Vogl nachvollzogen werden kann. Die Fake-Orte sind keine Zeugen einer Verwestlichung Chinas, sondern generativ.

20200411münster

„Die Kunst der Fälschung“ Wenn es der Experte verifiziert… Echter Fake in der bildenden Kunst. Besitzt ein gefälschtes Kunstwerk eine Aura?

Kunstfälschungen sind so alt wie die Kunst selbst, Kunstfälscher betrogen bereits in der Antike ihre Kunden. Doch ab wann spricht man von einer Fälschung? Und wann von einem Fake? Am Beispiel des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi und seinem Millionenclou soll untersucht werden, inwiefern Totalfälschungen nach der Definition von Walter Benjamin eine Aura besitzen.

20200411felberbaum

Fake statt Fakt – wie Fake News uns beeinflussen

Der Begriff Fake News ist in aller Munde, spätestens seit dem US-Wahlkampf 2016. Fake News werden medial diskutiert, aufgedeckt, revidiert und als Gefahr für unsere Demokratie angeprangert. Dabei handelt es sich um kein neues Phänomen. Wieso erst jetzt der Diskurs? Was macht falsche Nachrichten zu Fake News? Können sie wirklich die Meinung beeinflussen? Und haben sie womöglich auch eine positive Seite?

20200411boehn

Verschwörungstheorien, Verschwörungsmythen und ihre Attraktivität

Warum können Verschwörungstheorien überhaupt erfolgreich verbreitet werden? Warum sind Verschwörungstheorien meist äußerst schwer oder gar nicht zu widerlegen? Warum ist es überhaupt möglich, dass sogar ein weitgehend gesichertes wissenschaftliches Wissen bei den Anhängern einer Verschwörungstheorie überhaupt keine Rolle spielt? Gezeigt werden dabei die Erklärungs-Möglichkeiten „konstruktivistischer“ Antworten. Abschließend werden einige Vorschläge skizziert, wie mit Verschwörungstheorien bzw. mit Verschwörungsmythen umzugehen wäre.

20200610scheffer

Spürtechniken. Von der Wahrnehmung der Natur zur Natur als Medium – Einleitung

Die vorliegende Sonderausgabe der Medienobservationen knüpft an Diskussionen über Grundfragen an, die einen Teil der Kultur- und Medienwissenschaftler*innen gegenwärtig abermals intensiv beschäftigen: Was sind die Prämissen der Naturwahrnehmung in einer medial durchdrungenen, von menschlicher Gestaltung geprägten Welt, im sogenannten Anthropozän? Der Zusammenhang von Umweltdaten, Sensoren und ihrer Vernetzung fordert die traditionellen Vorstellungen einer Natur- ästhetik heraus, die an einem unverstellten Zugang, einer direkten, unvermittelten Wahrnehmung der Natur (im Sinne des Nicht-Mensch-gemachten) interessiert ist.

20200430SchneiderZemanek0

Dem Spüren auf der Spur: Zur Wahrnehmung biologischer und technischer sensorischer Systeme

Das Spüren gilt als eine eher diffuse Form des Wahrnehmens, die sich nicht in die Differenzierung der fünf Sinne einordnen lässt. Damit scheint es für eine Instrumentalisierung wissenschaftlicher Erkenntnis untauglich zu sein. Und dennoch: Insbesondere in den 1960er Jahren werden derartige diffuse, ganzheitliche Wahrnehmungsmodalitäten zum Gegenstand philosophischer Diskussion, als vor allem in der Phänomenologie an der Formulierung gesamtleiblicher Epistemologien gearbeitet wird. Zur selben Zeit beschäftigt sich die Kybernetik in verschiedenen technischen und biologischen Experimentalsettings mit der Frage nach der Wahrnehmung, wobei sie zunächst von der prinzipiellen Isomorphie menschlich-biologischer und technischer Sensoren ausgehen. Auch hier spielt das Spüren als alternative Wahrnehmungsform, die sich jenseits der sensorischen Differenzierungen bewegt, eine Rolle. Der Beitrag setzt beide Diskussionen – die anthropozentrisch-phänomenologische und die technobiologisch-kybernetische – zueinander in Bezug und tastet sie auf Parallelen und Differenzen ab.

20200430Heibach1