Sämtliche Beiträge | 1997-2024


1978. „Trick or treat?“. John Carpenters Halloween – ein böser Witz auf Kosten des Kinopublikums

John Carpenters Film gilt heute völlig zu Recht als einer der wichtigsten, weil stilbildenden Filme der 1970er Jahre. Doch Halloween ist mehr als nur der genrekonstitutive Slasherfilm, welcher dem Kino Scream Queens, Final Girls und maskierte Serienmörder beschert hat. Darüber hinaus stellt der Film implizit auch einige medientheoretische Überlegungen an, die sich – wie dieser Beitrag aufzeigen möchte – oftmals in einer spielerischen Bezugnahme auf die Rezeptionsposition des Kinozuschauers äußern.

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2411011149084.919360918550
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23495

1977. „Ich bin dein Vater“ – wie Star Wars-Zitate seit über 40 Jahren im kulturellen Gedächtnis bestehen

Seit der Veröffentlichung im Jahr 1977 hat die Star Wars-Saga einen tiefgreifenden Einfluss auf die Popkultur und Filmgeschichte. Insbesondere Episode IV: Eine neue Hoffnung hat sich seither in den Köpfen und Herzen mehrerer Generationen verewigt. Eines der prägnantesten Elemente des Films sind die ikonischen Zitate, die weit über die Grenzen des Science-Fiction-Genres bekannt wurden und so in den Sprachgebrauch eingingen – und schließlich Teil des kulturellen Gedächtnisses wurden.

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2411070035542.363221055781
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23380

1976. King of the Road

Renate Rasp fand den Film so anstrengend, dass ihr selbst das deutsche Fernsehprogramm gar nicht mehr so übel schien, obwohl sie den Kasten doch schon längst abmelden wollte. Die Nation des Fastfoods hingegen feierte ihn als „slow cinema“. Im Lauf der Zeit hieß der Film, was man in den USA etwas plakativer übersetzte mit King of the Road. Im Gegensatz zu den amerikanischen Straßenwölfen fahren die Protagonisten bei Wim Wenders allerdings nicht einfach in der Gegend herum, er lässt sie die deutsch-deutsche Grenze abfahren, ein amerikanisches Roadmovie – nur eben auf deutsch. Dabei ist dieser Film nicht nur eine Mär der amerikanischen Sehnsucht, er erzählt auch die Geschichte eines Neuanfangs, von Träumen, Selbstfindung, Standpunkt und Perspektive, und dem Ringen um Worte.

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert.urn:nbn:de:101:1-2411011144523.134432671647
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23362

1975. „Was lernt uns das?“. Oliver Jahraus zum 60. Geburtstag

Als ich 1994 an das „Institut für Deutsche Philologie“ nach München kam, traf ich bald auf Oliver Jahraus. Wir haben sehr viel zusammengearbeitet, nicht nur in den Oberseminaren, sondern auch in vielen weiteren Veranstaltungen, vor allem auch bei der großen, mehrere Wochenenden dauernden internationalen Tagung „Schrift und Bild in Bewegung“ im Jahr 2000. Bei dieser Gelegenheit entstand das folgende Foto…

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2409251436169.663571496751
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23366

1974. Spiegelnde Wissensordnung

Luce Irigarays Speculum (1974) richtet den Blick des wissenschaftlichen Diskurses neu aus. Durch gespiegelte Wiederholung theoretischer Standardwerke wird die Suche nach einer neuen Syntax aufgenommen, hin zu dem Versuch, die Verschüttung einer möglichen Operation des Weiblichen* in der Sprache zu entbergen, die scheinbare Kohärenz bestehender Wissenschaftsdiskurse in Verzerrung und Vexierung offenzulegen, und den Blick zu richten: auf die geschichtslosen Momente der Theorie.

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2411011139531.812148821635
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23354

1973. This too shall. pass Überlegungen zum Verhältnis von Poesie und Politik

Am 11. September 1973 gingen die Bilder vom Putsch des Militärs gegen die demokratisch gewählte Regierung Salvador Allendes um die Welt. Der Regierungspalast brannte, bombardiert von der Luftwaffe, der Präsident wählte den Freitod, bevor die Putschisten ihn festnehmen konnten. Das Nationalstadion von Santiago de Chile wurde zum Folterzentrum, Tausende der Anhänger Allendes wurden hier inhaftiert, auch der große chilenische Sänger und Dichter Victor Jara. Er hatte seine Gitarre dabei und spielte und sang für alle: „Wir sind Fünftausend hier“, „somos cinco mil aqui“, so begann sein letztes Lied…

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2409251432161.119378324316
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23384

1972. Auf den Hund gekommen. Kynologische Imaginationen im Anthropozän

Anlässlich der Sommerspiele in München entstand 1972 das erste offizielle Olympia-Maskottchen: der Olympia-Waldi. Ein Dackel also sollte das Symbol des größten Sportereignisses sein. Wären die Spiele nicht von der Geiselnahme israelischer Athleten überschattet worden, hätte man vielleicht auch an zentrale deutschsprachige literarische Texte rundum hündische Protagonisten, gar einen Dackel, erinnern können. Spätestens aber mit dem animal turn in den Geisteswissenschaften und der Diskussionen um den Posthumanismus wurde den Tierfiguren in literarischen Texten eine größere Aufmerksamkeit geschenkt. Im Folgenden stehen sprechende Hunde in der deutschsprachigen Literatur im Mittelpunkt, wobei diesbezüglich Texte der Moderne von Oskar Panizza (Aus dem Tagebuch eines Hundes, 1892) und Franz Kafka (Forschungen eines Hundes, 1922) analysiert werden: Dabei soll gerade keine allegorische Interpretation vorgelegt werden, da die untersuchten Texte eben nicht nur auf den Menschen, sondern zunächst auf die Tierwelt verweisen.

für Rino und Wally

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2409291137137.130316315341
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23377

1971. Gianni Selvani, der „Typus des modernen italienischen Intellektuellen mit Besitzhintergrund“. Zur Namensgebung der Titelfigur in Thomas Bernhards Filmbuch Der Italiener

1971 erschien Thomas Bernhards Filmbuch Der Italiener, das innerhalb des Œuvres eine werkgenetisch grundlegende Etappe zwischen der frühen Prosa und dem späteren Meisterwerk Auslöschung darstellt. Die Namensgebung der Titelfigur erweist sich als ein Biographem, das einerseits mit Bernhards Textkonstitutionsprinzip des Geistesmenschen und andererseits seiner Teilnahme an den von der Luxemburger Lyrikerin Anise Koltz organisierten Mondorfer Dichtertagen zusammenhängt. Über den Umweg biografischer Recherchen zum italienischen Lyriker, Übersetzer und Dozenten Gianni Selvani können bedeutende Aspekte der oft übersehenen europäischen Dimension historisch-politischer Positionierungen in Bernhards literarischem Werk herausgearbeitet werden.

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2411011134535.184893555970
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23345

1970. A Film Called WANDA

„But I Might Die Tonight“ von Cat Stevens setzt ein und ein Blutstropfen verwandelt sich in die rote Farbe eines Rennrads. Das Rad gehört Mike, der auf dem Weg zur Arbeit ist – oder vielleicht doch auf dem Weg nach Hause? Am Ende ist es gleich, weil er es nicht schaffen wird, seine traditionellen Werte zu überwinden und die Frau zu gewinnen, in die er sich verliebt hat. Deep End aus dem Jahr 1970, gedreht u.a. im Müllerschen Volksbad und im Englischen Garten – also auch ein München-Film –, erzählt die Adoleszenzgeschichte eines Jungen, der sich in seine zehn Jahre ältere Kollegin Jane verliebt oder besser, in das Bild, das er sich von ihr gemacht hat. Denn in jenem Moment, als Jane versucht zu erklären, wer oder wie sie wirklich ist, weiß Mike es besser. Zehn Jahre jünger, aber er weiß, wer die erwachsene Jane ist und wie sie zu sein hat, um eine ehrbare Frau zu sein. Und so viel sei verraten: Eine ehrbare Frau im Sinne Mikes ist sie nach eigenen Angaben gerade nicht. Dafür muss sie ästhetisch beeindruckend im Pool des Badehauses zum bereits erwähnten Cat Stevens-Song verbluten. Aber 1970 hat es noch mehr unehrbare Frauen im Film gegeben…

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2411070027060.829823099348
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23363

1969. In Other Wor(l)ds: Medienkopplung Mondlandung

Die vermutlich wirkmächtigste Kopplung medialer Artefakte, die das US-amerikanische Raumfahrtprogramm Apollo hervorgebracht hat, beginnt gerade noch im Jahr vor dem hier zu skizzierenden Ereigniszusammenhang. Am 21. Dezember 1968 starteten Frank Borman, William Anders und James Lovell zum zweiten bemannten Raumflug des Programms, Apollo 8 der sie an Heiligabend auf die Mondumlaufbahn brachte und ihnen nicht nur ermöglichte, als erste Erdlinge einen Blick auf die erdabgewandte Seite des Mondes zu werfen, sondern auch die Gelegenheit gab zu einer ersten, extraterrestrischen Live-Weihnachtsbotschaft via Satellitenübertragung: Anders, Lovell und Borman rezitierten zum einen beim neunten Umlauf um den Mond den Anfang des biblischen Schöpfungsberichts für „all the people back on Earth“. Nicht genug damit, denn zum anderen spielte sich schon früher am Tag, beim vierten Umlauf, eine Szene ab, die die drei Astronauten das dicht bestückte Protokoll der fotografischen Terrainerkundung und Verfahrensbeobachtung kurz unterbrechen ließ…

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2411011128458.241444522659
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23367