Sämtliche Beiträge | 1997-2024


1968. „You’re recording this, ain’t a damn thing happening“. Johnny Cash at Folsom Prison

Die Langspielplatte Johnny Cash at Folsom Prison wurde 1968 zum bis dahin größten Erfolg des Sängers und zu einem weithin gerühmten Medienereignis. Die jahrzehntelange internationale Karriere des „Man in Black“ (geboren 1932, gestorben 2003) begann mit diesem Gefängniskonzert.

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2411011124156.158133938896
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23378

1967. The Who: The Who Sell Out

Jon Savage hat die These, 1966 sei das entscheidende Jahr der Popmusik gewesen, auf eine so breite Materialbasis gestützt und so detailreich durchargumentiert, dass meine Gegenthese, 1967 sei noch entscheidender gewesen, nur mit einer Ausdifferenzierung haltbar ist: 1966 war das Jahr der Singles, 1967 das der LPs…

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2410311600254.488021239285
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23368

1966. Handke in Princeton

Man schrieb den 22. April 1966, als eine fünfminütige Scheltrede ein literarisches Erdbeben auslöste. Die Gruppe 47, die in den zwanzig Jahren seit ihrer Gründung zur tonangebenden Schriftstellergruppe der Bundesrepublik geworden war, tagte auf Einladung amerikanischer Gastgeber in Princeton, obwohl einige der vom Doyen der Gruppe, Hans Werner Richter, eingeladenen Autoren die Meinung vertreten hatten, man könne die Vereinigten Staaten nicht besuchen, solange sie ihren brutalen Krieg gegen das vietnamesische Volk führten. Trotzdem reiste man nach Princeton, und in den ersten Tagen ging alles seinen gewohnten Gang…

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2410311555419.262617679433
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23351

1965. Stadionrock oder: Dies ist kein Konzert

Augenzwinkernd, mitunter achselzuckend, hier und da kopfschüttelnd, stellt dieser Beitrag die These auf, dass das 1965er-Konzert der Beatles im Shea-Stadion ein Medienereignis war, im Gegensatz zum zweiten Konzert der Band dort, das diesen Titel nicht verdient. Zur Untermauerung wird die von Oliver Jahraus entwickelte ‚FabFour‘-Methode herangezogen, die vier Qualifizierungsmerkmale umfasst: Autopoiesis (John), Interpretation (Paul), Kopplung (George) und Paradigma (Ringo).

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2410311550150.704525288205
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23371

1964. Mit präzisem Blick: Zu Hitchcocks Marnie

Mithilfe einer kleinen Filmlektüre von Marnie, einem der kontroversesten Filme Alfred Hitchcocks, soll im Folgenden der bescheidene Versuch unternommen werden, dieses vor allem psychologisch wie genderpolitisch gewagte, filmisch ungemein fein umgesetzte Beziehungsdrama als einen kleinen Schlüssel zum Verständnis des Wirkens von Oliver Jahraus erscheinen zu lassen.

Dieser Artikel erschien am 13.11.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2410311543516.751990877408
DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/23349

Von Kino-Wochenschau bis TV-Serien: Gerhard Trede und der ‚ambient‘ Sound der 1950er und 1960er-Jahre

Die musikalische Begleitung von Film und Fernsehen hat Ähnlichkeiten zur Musik in öffentlichen Räumen. In beiden Fällen wird Musik genutzt, um Emotionen zu lenken, Atmosphäre zu schaffen und ein Gesamterlebnis zu bieten. Die Gestaltung von Hintergrundmusik begann bereits mit Erik Satie im späten 19. Jahrhundert und setzt sich bis heute fort mit Komponisten wie Brian Eno. Die Bezeichnungen für diese Bandbreite von Musik lauten ‚Production Music‘, ‚Library Music‘, ‚Ambient Music‘ oder ‚Muzak‘. Der Hamburger Gerhard Trede etablierte sich in den 1950er-Jahren vor allem als Hauskomponist der Deutschen Wochenschau GmbH. Seine Musik prägte nicht nur Kinofilm und Fernsehen in Westdeutschland, sondern auch das musikalische Unbewusste eines internationalen Publikums, und wirkt bis heute nach: nicht zuletzt in der digitalen Vermarktung oder durch Neuarrangements seiner Stücke.

Dieser Artikel erschien am 17.01.2024 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2024010915514218188587

DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/21645

20240117Lehnert

Das Böse, vor dem Gesetz. Konfigurationen der Gewalt in Stanley Kubricks A Clockwork Orange (1971)

A Clockwork Orange gilt als Kubricks umstrittenster und verstörendster Film. Mit der Darstellung der Gewalt-Therapierung und ihrer postexperimentellen Nachwirkung unterläuft der Film am laufenden Band unsere vertrauten Unterscheidungen von Gut und Böse. Der Beitrag untersucht an einem szenischen Beispiel (in der Gefängnisbibliothek), was die sozialen, ethischen und technischen Masterminds mit dem ultragewalttätigen Protagonisten, mit dessen Opfern, mit seinen vermeintlichen Helfern und mit seinen Zuschauern machen. Das läuft auf die Frage hinaus: Wird die Freiheit des Willens von Gott, von den Genen, aus der Gesellschaft oder aus dem Gehirn heraus gesteuert – oder wird sie an eine künstliche Intelligenz delegiert, die offenbar böse ist?

Dieser Artikel erschien am 07.11.2023in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2023102612281457823649

DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/20115

20231107braun

Franz Kafkas und Ernst Jüngers Käfer – Käfermysterium und existentielle Wahrnehmung

Dass Ernst Jünger, von seinen frühen Tagen in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs an, ein genauer Beobachter von Insekten war, der sich später zu einem veritablen Entomologen entwickelte und seine subtilen Jagden immer mehr verfeinerte, ist bekannt. Damit scheint Kafkas Käfer aus seiner Novelle Die Verwandlung zunächst nichts zu tun zu haben. Auffällig ist jedoch, dass auch Kafka das Ungeziefer genau beobachtet und beschreibt, genauer jedenfalls, als es nötig gewesen wäre, um eine literarische Metapher für problematische Familienverhältnisse zu inszenieren. In meinem Essay will ich zeigen, dass sowohl für Jünger als auch für Kafka der Käfer eine existenzielle Bedeutung gewinnt, die sich in beiden Fällen auf die Metamorphose des Käfers stützt, aber dann in entgegengesetzte Ausprägungen führt. In der Metamorphose des Käfers wird für Jünger die eigene Entwicklung in die und über die bürgerliche Gesellschaft hinaus sinnfällig, während in Kafkas Novelle die letztlich tödliche Verwandlung Gregor Samsas die Unfähigkeit zur Verwandlung und Entwicklung ihres Autors anzeigt.

Dieser Artikel erschien am 31.10.2023 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2023102412271295487125

DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/20114

20231031graf

Die Mauer, der Kalte Krieg und unbotmäßige Agenten im Film (Der Spion, der aus der Kälte kam, 1965, Bridge of Spies und Deutschland 83, 2015)

Die Mauer, die Deutschland von 1961 bis 1989 teilte, ist ein Geschichtszeichen des Kalten Krieges. Im Agentenfilm ist diese Teilung oft genug für die Plotline verantworlich. Der vorliegende Beitrag untersucht im Vergleich der Agentenfilme Der Spion, der aus der Kälte kam (Martin Ritt, 1965) und Bridge of Spies (Steven Spielberg, 2015) sowie der ersten Staffel der Fernsehserie Deutschland 83 (Anna Winger und Jörg Winger, 2015), wie die Storyline beiderseits der Mauer entwickelt wird und wie die filmischen Agenten in Abweichung von ihrer Mission die Logik des Kalten Krieges durchkreuzen. Dadurch gerät der Spion im geteilten Deutschland, der als „mythologischer Prototyp“ (Bernhard Greiner) des Kalten Krieges in den Kriminalfilmen der 1960er und 1970er Jahre reüssierte, auf je unterschiedliche Weise zwischen die Fronten. Gerade in der Normabweichung (dem Lapsus) und durch Verhandlung (der Causa), nicht durch Lösen des Casus (des Kriminalfalls), entwickeln sie einen kulturellen Code, der die Mauer als Wahrzeichen des Kalten Krieges überwindet.

Dieser Artikel erschien am 24.10.2023in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2023101623521476608052

DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/20088

20231024braun

Merging of Realities: The ‘Non’-America in Roman Polanski’s The Ghost Writer.

Most of the plot of the 2010 film The Ghost Writer by Roman Polanski takes place on the island of Martha’s Vineyard, Massachusetts. However, the film was largely shot on the German islands of Sylt and Usedom, respectively. By comparing the film with the actual locations, this essay aims to show how Polanski constructs a ‘Non’-America that is simply imagined through the addition, rearrangement, or removal of various cultural artifacts.

Dieser Artikel erschien am 13.09.2023 in der Zeitschrift Medienobservationen.
Er ist durch die DNB archiviert. urn:nbn:de:101:1-2023090514073628960083

DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/20024

20230913Stoppe