Sämtliche Beiträge | 1997-2024


Der letzte Mohikaner? Franz Schuh zum Sechzigsten

Franz Schuh wird sechzig. Die Feuilletons jubilieren. Fast gewinnt man den Eindruck, der vormals Unbekannte sei zum allenthalben gehätschelten Lieblingskind deutscher und österreichischer Feuilletonisten aufgestiegen. Weshalb? Bei Wiener Rezensenten mag der Lokalpatriotismus eine Rolle spielen. (Eva Menasse gehört zu den glühendsten Bewunderern Schuhs.) Bei deutschen die Neigung, Wien zum kulturellen Sonderfall, zum ‚ganz Anderen’ Deutschlands hinaufzustilisieren. Da kommt einer vom Schlage Franz Schuhs ganz recht. Seine Beliebtheit allerdings ist damit nicht erklärt. Gewiss, da wäre die hohe Qualität seiner Prosa. Dass Schuh zu den fähigsten Publizisten deutscher Sprache gehört, wer wollte es bestreiten. Als Kolumnist der ZEIT hat er seit längerem Gelegenheit gehabt, mit Glossen, Miszellen und Essais zu exzellieren.

Das Unfassbare erfassen. Künstlerisch-literarische Aufarbeitungsversuche zum 11. September

Fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 überwiegen in der öffentlichen Auseinandersetzung noch immer Unsicherheiten und Spekulationen. Auch in Musik, Literatur und Film ist der Prozess der Verarbeitung noch lange nicht abgeschlossen. Ist doch gerade auf der künstlerisch-kulturellen Ebene der Bedarf an Aufarbeitung eines epochalen Ereignisses umso höher, je größer, je gewaltiger und brutaler dieses Ereignis in unseren Alltag einbricht. Die Anschläge waren ein Ereignis, das unser Fassungsvermögen sprengte und die herkömmlichen Größenordnungen von Realität und Fiktion durcheinander brachte.

Molwanîen oder: Australien träumt den Balkan.

Ein australisches Autorenkollektiv hat seit 2003 mit dem sogenannten Molwanîen-Projekt einiges Aufsehen erregt. Ein imaginärer Balkan-Staat wird vorgestellt, als sei er Wirklichkeit – in Büchern, Websites und öffentlichen Präsentationen. Der deutsche Molwanîen-Hype hat seinen Höhepunkt seit einigen Monaten überschritten. Grund genug für die Medienobservationen, eine vorläufige Bilanz zu ziehen. Was hatte es auf sich mit dem „Land des schadhaften Lächelns“? War es der Aufmerksamkeit wert? Wir wollen nicht medienpsychologische Überlegungen in den Vordergrund stellen. Unser Interesse gilt dem sachlichen Gehalt des Medienprodukts ‚Molwanîen’.

Die Katastrophe im Roman – Überlegungen zur schwierigen Fiktionalität des 11. September 2001

Die Verarbeitung des 11. September 2001 in der (Roman-)Literatur hat angesichts der zahlreichen Romane und Short Stories zu diesem Thema unverkennbar begonnen. Doch die erzählerische Darstellung der Attentate des 11. September 2001 bleibt aufgrund der außerordentlichen Dimension der Ereignisse problematisch. Genauer in den Blick genommen werden die Romane Windows on the World (Frédéric Beigbeder), Bryant Park (Ulrich Peltzer) sowie die Augenzeugenberichte Stories from 56th Broad Street und Really Ground Zero (Kathrin Röggla).

Fancy embodied: William Blake’s Pity and Shakespeare’s Macbeth

In Blake’s illustration Pity, it is the presence of the female figure that has remained a challenge in criticism. Not appearing in Macbeth’s simile on pity, that figure creates difficulties for commentators who first and foremost draw on Shakespeare’s text in their interpretations. This paper approaches the problem by exploring the influence of Blake’s own visual and verbal imagination on the illustration of Macbeth’s lines. This influence becomes evident when we trace the development of the pity concept in Blake’s poetry and examine other prints from the 1795 series, which exhibit hitherto unnoticed visual correspondences to Pity. Finally, by drawing on Luther’s The Bondage of the Will, the paper moves beyond both the Blakean and the Shakespearean perspectives and suggests new dimensions in the interpretation of the painting.

„Ich biete Ihnen meine Arbeit Ihres Hörens an.“ – Oskar Pastior ist tot.

Oskar Pastior lebte in der Sprache mit der Sprache & dies so, dass es außerhalb seiner Texte und seiner Sprache nichts gab, das nicht immer schon innerhalb seiner Texte & seiner Sprache gewesen sein wird. Er schrieb einmal, dass die Welt sich zu den Texten nachliefert. Indem geschrieben, geredet & gehört wird, entsteht im Nachhall, gleichsam als Nachleuchteeffekt die Welt. Eine radikal antimimetische Ästhetik ist das. Und mimetische Literaturkonzepte, auch das sagte Pastior explizit, sind ihm zuwider.